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  • GesundheitswuerfelKein Rückzug aus der Fläche bei der Krankenhausversorgung

    Der Deutsche Landkreistag kritisiert die Empfehlungen der gestern veröffentlichten Studie der Bertelsmann Stiftung, der zufolge mehr als jedes zweite Krankenhaus in Deutschland überflüssig sein soll. Präsident Landrat Reinhard Sager sagte: „Die Bundesregierung hat gerade in der vergangenen Woche erste Schlussfolgerungen aus der Arbeit der Kommission ‚Gleichwertige Lebensverhältnisse' beschlossen. Durch die gesamte Kommissionsarbeit hat sich das Erfordernis gezogen, gerade auch infrastrukturell gleichwertige Lebensbedingungen anzustreben. Dies bedeutet auch, die Krankenhauslandschaft in ländlichen Räumen zu erhalten und zu Verbesserungen zu gelangen. Gerade dort geht es um die Sicherstellung einer wohnortnahen Versorgung. Diesem Ziel laufen die Empfehlungen der Bertelsmann Stiftung eklatant zuwider. Ein Rückzug aus der Fläche ist nicht Teil der Lösung, sondern würde ganze Landstriche von einer Versorgung praktisch abkoppeln. Das kann niemand ernsthaft politisch in Betracht ziehen."

    Die Untersuchung der Stiftung schlägt die Schließung von 800 der bestehenden 1.400 Kliniken vor und spricht sich so für eine deutliche Konzentration der Krankenhausstandorte aus. Sager dazu: „Würden diese Pläne tatsächlich verwirklicht, so wären die verbleibenden 600 Krankenhäuser in größeren Städten angesiedelt und gerade nicht in der Fläche. Über die Hälfte der Deutschen lebt aber in ländlichen Landkreisen und Gemeinden und nicht in Großstädten. Vor diesem Hintergrund erscheint die vorliegende Studie absurd." Das Ziel einer wohnortnahen Versorgung überall in Deutschland würde praktisch aufgegeben.

    Die Herausforderungen lägen stattdessen auf der Hand: „In strukturschwächeren ländlichen Räumen sieht man, dass die ambulante medizinische Versorgung von den Kassenärztlichen Vereinigungen nicht mehr vollständig gewährleistet werden kann. In manchen Landkreisen findet kassenärztlicher Notdienst nur noch zeitlich wie personell in geringem Umfang statt. Der durch die Kreise verantwortete Rettungsdienst ist dort längst Ausfallbürge für eine nicht sichergestellte Notfallversorgung durch die Kassenärztlichen Vereinigungen. Wie dieses System einen nicht unwesentlichen Teil der derzeit noch stationär behandelten Patienten übernehmen soll, bleibt schleierhaft", sagte er.

    Daher brauche es eine gemeinsame Kraftanstrengung von Bund, Ländern und Kommunen, um eine tragfähige und für die Zukunft gesicherte medizinische Versorgungsstruktur zu erreichen. „Alle technischen Möglichkeiten müssen genutzt werden, vor allem aber ist eine sektorenübergreifende Zusammenarbeit und Vernetzung dringend geboten." Hieran würden auch die Landkreise, die gemeinsam mit dem jeweiligen Land den Sicherstellungsauftrag für die stationäre Krankenhausversorgung haben, gerne mitwirken. „Wenn am Ende einzelne Krankenhausstandorte objektiv nicht notwendig sein sollten, wird man hiervon auch die betroffenen Menschen überzeugen können. Auf der Grundlage von Zahlenreihen von Medizinökonomen sollte das aber nicht geschehen, sondern in engem Dialog von Politik, Gesellschaft und medizinischer Fachexpertise", so der DLT-Präsident zum Schluss.

     
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